- Vierwaldstättersee
Während vielen Jahren kreisten meine Gedanken immer wieder zum Jakobsweg. Vieles hielt mich davon ab: keine Zeit, andere Pläne usw. und doch spürte ich, dass ich im Alter nicht denken möchte, hätte ich doch und wäre ich doch auf diesen Weg gegangen.
Eines Abends brachte mir mein Partner ein Geschenk. Ich dachte, oh er bringt mir eine Süssigkeit aus Zürich mit.
Ich konnte es kaum fassen, er brachte mir das Buch zum Thema Jakobsweg «Das Ziel ist der Weg». Somit war für mich klar, jetzt!
Kurz nach meinem 50. Geburtstag ging’s los. Ich startete beim Jakobsbrunnen in Rorschach. Täglich spürte ich alle Sinne, mein Körper bewegte sich, ich spürte die Sonne, den Wind oder Regen im Gesicht. Die Natur roch wunderbar - ich hörte Vögel zwitschern. Das Laufen machte mich glücklich, auch wenn ich oftmals meine Füsse fast nicht mehr spürte.
*Komplett überrascht war ich davon, wie mein Körper binnen weniger Tage lernte, sich in einem enormen Tempo zu regenerieren. Am Abend noch fühlte ich mich erschöpft und komplett ausgepumpt – als könnte ich am nächsten Tag keinen Schritt mehr tun. Am Morgen gab es nur noch einen Gedanken: Weitergehen! Und der Körper jubelte förmlich, als es endlich losging."
(Quelle: Draussen gehen, von Christian Sauer, verlag hermann schmidt, 2019, Seite 49)
Mit einem grossen Energieschub beendete ich diese 1. Etappe nach 4 Tagen in Einsiedeln. Meine Begeisterung steckten meine Schwester und meinen Schwager an.
In weiteren Etappen liefen wir tageweise quer durch die Schweiz. Da wir höchstens 3 oder 4 Tage am Stück pilgern konnten, beendeten wir unseren Weg in den Savoyen in Culoz. Die An- und Rückreise nahm zu viel Zeit in Anspruch.
Enttäuscht? Nein, mein Ziel war nicht Santigo de Compostela, sondern der bis dahin erlebte Weg.
Es gab verschiedene Möglichkeiten zum Übernachten. Meistens fanden wir eine Pension, ein Hotel oder eine private Unterkunft. Beeindruckend und bereichernd waren die privaten Unterkünfte.